Naturschutzprojekte in Zossen

Naturschutzprojekte in Zossen

Was nicht viele wissen…in Zossen gibt es eines der größten und artenreichsten Vorkommen an Hautflüglern. Auf den Flächen des Naturschutzgebietes „Mühlenberge“ finden Erdbienen, Erdwespen und ihre Parasiten optimale Bedingungen für ein Leben in Saus und Braus vor. Hautflügler heißen diese Insekten, weil ihre Flügel aus einem pergamentartigen, durchsichtigen Material ähnlich der Haut bestehen. Sandoffenstellen wechseln sich mit Trockenrasenfluren ab, deren verschiedene Blüher ein optimales Nahrungsangebot für die vom Aussterben bedrohten Bodenbrüter bereithalten. Wichtig ist eine anorganische, kristalline Sandschicht. Meist sind diese Sandablagerungen eiszeitlichen Ursprungs.

Die Versteppung der Fläche bedroht die Bestände der Hautflügler erheblich, denn sich dominant ausbreitende Reitgraskolonien, Birken-und Kieferwaldsuchsession und die auch auf diesen nahrungsarmen Standorten gut gedeihende Späte Amerikanische Traubenkirsche sind Flächenkonkurrenten, gegen die die kleinen Insekten nur mit Hilfe des Menschen eine Chance haben. Nur mit Hilfe des Menschen? Nein! Denn in Zossen bemühen sich 20 Zwerg Zebus um die Aufrechterhaltung des Gleichgewichtes auf einer bisher 20 ha großen Fläche. Als Wildrinder legen sie Wildwechsel an, da sie immer wieder die gleichen Wege von der Wasserstelle zu den Weideplätzen nutzen. Sandoffenstellen, die dann von den Erdbienen dankbar genutzt werden, um ihre Bruthöhlen zu graben.

Anorganischer Sand ist ja eigentlich weiter nichts als die Ansammlung vieler Millionen winzigster Steinchen. Steine sind gute Wärmespeicher und so erwärmen sich die Sandoffenstellen und die dort angelegten Bruthöhlen der Hautflügler bieten beste Voraussetzungen für die Aufzucht des Nachwuchses. Haben die Zebus ihre Arbeit an den Sandoffenstellen erledigt, mähen sie als nächstes die ungeliebten Reitgrasflächen ab. Das Reitgras mag es gar nicht ständig zurückgebissen zu werden, lässt sich so zurückdrängen und macht anderen Kräutern Platz, die den Erdwespen mit ihren Blüten das nötige Nahrungsangebot liefern.

Da die Zebus im Winter ausschließlich Heu und Stroh bekommen, sind die „Forstarbeiten“ an den Gehölzen auf der Koppel für die Zwerg Zebu Herde reine Winterarbeit. Neuer Kiefernanflug wird dann zurückgestutzt und die größeren Bäume werden durch ständiges beknabbern stark in ihrem Wachstumsdrang eingeschränkt. Blätter und Rinde der Spähten Amerikanischen Traubenkirsche haben eine beruhigende leicht berauschende Wirkung. Obwohl dieser Baum unter schwierigsten Bedingungen zu Leidwesen der Biologen und Forstwirte überall gedeiht, gehen die Bäume durch die ständige Pflege der Zebu Herde ein, vertrocknen und sterben schließlich ab. Man kann sagen, sie sind die Lieblingsspeise der Zwerg Zebus. Tiere können auch wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz nicht haftbar gemacht werden. Seit 2007 sind die Zwerg Zebus auf der Fläche an der Arbeit.

Mit Ihrer Arbeitsaufnahme haben sie die Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt mit viel Erfolg gefördert. Eidechsen, Greif- und Singvögel, Feldmäuse, Feldhasen, Fasane aber auch Insekten, die den Kot der Zebus als Brut-oder Nahrungsgrundlage nutzen sind auf die Fläche umgezogen. Durch den Sameneintrag des Winterfutters konnten sich auch zusätzliche Wildkräuter etablieren. Biologen, die Landwirte von Zebuland sowie der Landschaftspflegeverein Mittelbrandenburg, der Träger die Maßnahme wachen seit 2007 über das Gelingen des Naturschutzprojektes.

 

Der Biologe Ralf Klysmaier begleitet dieses Naturschutzprojekt und führt ein laufendes Monitoring für die Flächen durch. Über seine Arbeit, seine Beobachtungen und Ergebnissen können Sie hier mehr erfahren.